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Artikel P. Vautier
Zusammengestellt von P. Dr. Paul Vautier, 1998
Name
Apostolische Bewegung von Schönstatt (Schönstattbewegung, Schönstattwerk, Schönstattfamilie werden alternativ gebraucht je nach Zusammenhang).
Gründung Die Schönstattbewegung entstand im Missionsgymnasium der Pallottiner in Schönstatt (Ortsteil von Vallendar b/Koblenz, Rhld) in den Jahren 1912 - 1919. Als offizielles Gründungsdatum gilt der 18.10.1914, das Datum des ersten Vortrages des Gründers, P.Joseph Kentenich SAC, in einer alten Friedhofskapelle, die geistliches Zentrum der Bewegung wurde und später (1947) offiziell als kirchlicher, marianischer Wallfahrtsort anerkannt wurde.
Grundziel
Grundziel der Bewegung ist die Förderung des Apostolates, besonders der Laien, auf allen Gebieten. Die Bewegung organisiert nicht so sehr das Apostolat, sondern will dazu befähigen und motivieren; die apostolische und missionarische Arbeit soll vielmehr integriert in die pfarrlichen und diözesanen Strukturen geleistet werden. Spezifikum ist das Erzieherische ("Erziehungs- und Erzieherbewegung"): die Aktivität soll gedeckt sein durch das persönliche Zeugnis, die Verkündigung soll geprägt sein durch die Hilfe zur Umsetzung der Botschaft im Alltag. Obwohl das Grundziel der Bewegung das Apostolat ist und die Spiritualität nur Hilfsfunktion hat, entwickelte sich eine reiche Spiritualität. Im Zentrum steht die "Bündnisfrömmigkeit", die einerseits durch die biblische Kategorie des Heilsbundes, andererseits durch die als gegenseitige Beziehung aufgefasste Weihe an Maria geprägt ist ("Liebesbündnis"). Das Moment der Aktivität und Verwirklichung im Alltag ist durch das Stichwort "Werktagsheiligkeit" und "Werkzeugsfrömmigkeit" (wir sind Werkzeuge zur Verkündigung der Botschaft) benannt. Die Bewegung ist nicht auf Aussergewöhnliches (Visionen, Wunder etc.) ausgerichtet, Motto ist vielmehr "Gott in allen Dingen suchen und finden" mit einer starken geschichtlichen Ausrichtung ("Vorsehungsglaube"). Die Pädagogik der Bewegung ist geprägt durch die Hochschätzung der Werte der Freiheit und der Persönlichkeit. Die Erziehung sucht psychologische Fundierung und ganzheitliche Ausrichtung. Der Mensch wird als Beziehungswesen gesehen, der in einem ganzheitlichen Bindungsorganismus stehen und leben soll. Die charakteristische Aufnahme des "Natürlichen" (Pädagogik, Psychologie, Weltbezug) ist reflektiert, wird als besonderer Beitrag des abendländischen Christentums gesehen. Diese Verbindung von Natur und Gnade zu verwirklichen und weiterzugeben wird zusammen mit dem missionarischen Impuls als eine 2. Zielsetzung betrachtet. Der Gedanke des Laienapostolates steht in der Tradition von Vinzenz Pallotti, von dem P. Kentenich auch die besondere Zielsetzung der freiwilligen, föderalistischen Zusammenarbeit der apostolischen Kräfte der Kirche übernommen hat (3. Zielsetzung).
Aufbau der Bewegung
Die Schönstattbewegung ist eine jener Erneuerungsbewegungen der katholischen Kirche, die eine vielfältige Struktur aufweisen, die es allen Gläubigen ermöglichen soll, sich der Bewegung anzuschliessen. Sie können dabei wählen in der Intensität des Engagements und der Form der Mitarbeit. Die Bewegung soll sich so auch der jeweiligen Ortskirche und den Bedürfnissen anpassen können. Grundsätzlich gehört man zur Bewegung, wenn man das "Bündnis" mit Maria, der Gottesmutter von Schönstatt schliesst und sich persönlich irgendwie aktiv (apostolisch) engagiert. Es gibt grundsätzlich vier Stufen: die breite Basis (Liga-Mitarbeiter) stellt die Art des Engagements frei und muss auch keinen speziellen Forderungen aszetischer Art oder an die Lebensführung genügen. Gruppenbildung ist nicht verpflichtend; in den aktiveren Kreisen ist sie üblich. Die weiteren drei Stufen stellen hohe Ansprüche an die apostolische Selbstverpflichtung und an das Niveau des geistlichen Lebens (Verpflichtung zur systematischen Selbsterziehung), wobei bei den Liga-Mitgliedern noch keine Gemeinschaftsverpflichtung hinzukommt. Die "Bünde" organisieren sich in verpflichtenden Gruppen, sind aber Gemeinschaften, die bewusst keine rechtlichen Verpflichtungen auf sich nehmen. Die "Verbände" sind kirchenrechtlich konstituierte religiöse Gemeinschaften, z.T. mit Dach- und Tischgemeinschaft, die also z.T. über die Arbeit und Einsatz der Mitglieder verfügen können. Sie haben zur Zeit den Status von "Säkularinstituten" der römisch-katholischen Kirche; spezifisch ist für sie (aus dem Freiheitsgedanken heraus), dass sie keine Gelübde haben und ein Kündigungsrecht besitzen. Neben der Intensität von Apostolat und der verschiedenen Gemeinschaftsverpflichtung gibt es die Gliederung in "Stände": Priester (die Bewegung ist also in der Hauptsache, aber keine reine Laienbewegung), Familien, Frauen, Männer. Die Inspiration in der Bewegung ist in der Hauptsache standesspezifisch organisiert. Die intensiver verpflichteten Gruppierungen sind für die Inspiration der lockerer gebundenen mit verantwortlich. Die verschiedenen Gruppierungen sind möglichst selbständig; es gibt kein Weisungsrecht, wohl eine Inspirationspflicht der "Verbände"; die Organisationsstruktur der Gesamtbewegung ist streng föderalistisch. Neben diesen personalen Strukturen gehört es zur Charakteristik der Bewegung mit religiösen Zentren zu arbeiten. Die Wallfahrtskapelle in Schönstatt wird als solche nachgebaut (ähnlich wie die Loreto-Kapellen) und wenn möglich, entsteht dort ein geistliches und Schulungszentrum. Es gibt zur Zeit weltweit etwa 140 solche Heiligtümer (in alle Kontinente).
Statistik (z.T. geschätze bzw. runde Zahlen)Verbände:
Säkularinstitut Schönstatt-Patres (ca 210; D: 60; CH:40) Schönstatt-Institut Diözesanpriester (200; D 100) Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern (2700; D: 800; CH 120 [inkl. Burundi]) Säkularinstitut Frauen von Schönstatt (ca 500; D: 300; CH 35) Schönstatt-Institut Marienbrüder (34; D 20; CH 1) Institut der Schönstattfamilien (200 Ehepaare; D: 80; CH 6)
Bünde:
Bei den Bünden, die sich national und diözesan organisieren ist besonders der Frauenbund (370; D ca.300 CH 40) Mütterbund (D 180) und die Familienbünde (D 500 CH 20, Chile, Argentinien, Paraguay)
Ligen:
Die stärksten Gliederungen sind in Deutschland die Mütterliga (13 000) und die Familienbewegung. Da der weiteste Kreis der Mitgliedschaft nur beschränkt organisatorisch erfassbar ist, ist es schwierig, für die Gesamtbewegung Zahlen zu nennen. Für den Basisbereich muss besonders die in Südamerika (Brasilien) verbreiteten Campanha da Mãe Peregrina de Schoenstatt erwähnt werden; an ihr sind wohl um die 1,5 Mio Gläubige beteiligt. Die Bewegung ist in allen Kontinenten präsent (Asien: Anfänge in Indien und Philippinen; Afrika: Südafrika, Burundi, Zimbabwe, Tansania, Nigeria.) Schwerpunkte sind Deutschland und Südamerika. In den letzten Jahren ist besonders die Familienbewegung gewachsen.
Schönstatt - Pallottinern
Die Schönstattbewegung ist von einem Pallottinerpater gegründet worden und beruft sich in ihren Zielen teilweise auf deren Gründer Vinzenz Pallotti. Die Beziehungen zu den Pallottinern wurden nach konfliktiven Zeiten durch die rechtliche Trennung des Schönstattwerkes von den Pallottinern 1964 geklärt; in der letzten Zeit ist wieder eine Annäherung beobachtbar.
Adressen
Internationales Sekretariat der Schönstattbewegung, Haus Sonneck, Höhrerstr, D-56179 Vallendar Büro des Bewegungsleiters, Höhrerstr. 84, D-56179 Vallendar CH: Bildungszentrum, CH-8883 Quarten (zugleich Provinzhaus der Schönstätter Marienschwestern Schweiz) Schönstatt-Patres, Berg Sion, CH-6048 Horw Frauen von Schönstatt, Schädrütihalde 8, CH 6000 Luzern A: Schönstatt am Kahlenberg, A-1190 Wien
Fehlurteile und Missverständnisse
Da die Bewegung nicht direkt das Apostolat organisiert, erscheint die Schönstattbewegung trotz des z.T. erheblichen kirchlichen Engagements häufig als "spirituelle" Bewegung. Die Marianische Spiritualität ist für viele per se konservativ und supranaturalistisch - im Selbstverständnis der Bewegung nehmen wir aber gerade mit dem pädagogisch-psychologischen Einschlag die Natur sehr ernst; die Bewegung macht sich nicht stark für marianische Sonderlehren und hält sich fern von Visionen und Erscheinungen. Der starke Zusammenhalt der "Schönstattfamilie", die starke Stellung des Gründers durch seine Persönlichkeit und Lehre und die Auseinandesetzungen mit den kirchlichen römischen Behörden 1949-1965 lässt immer wieder den "Sektenverdacht" aufkommen.
Literatur:
Schönstatt-Lexikon. Hrsg. H. Brantzen u.a. Vallendar, Patris-Verlag, 1996 E. Monnerjahn, P. Joseph Kentenich. Ein Leben für die Kirche. Biographie , 4. Aufl. Vallendar, Patris-Verlag 1990 E. Monnerjahn. Häftling 29392. [Teilbiographie über P. Kentenichs Zeit als Gefangener der Gestapo, Dachau]. Vallendar, Patris-Verlag 1972 K.H. Mengedodt, Erste Begegnung mit der Schönstatt-Bewegung. Vallendar:Patris-Verlag 1986 A. Ziegler, Artikel: Die Schönstattbewegung, in: J-Müller, O.Krienbühl, Ortelebendigen Glaubens. Neue geistliche Gemeinschaften in der katholischen Kirche, Fribourg, Kanisius 1987 G. Rocca. Artikel: Schönstatt, in Dizionario degli Istituti di Perfezione VIII, Rom 1988, 1060 - 1064 M. Persch Artikel: Kentenich, J. in: Biographisch, Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. III. A. Stosiek. Artikel Schönstattbewegung, in Marienlexikon, Band 6. St. Ottilien 1994, 53f.
Verlage:
Schönstatt-Verlag, D-56171 Vallendar. Patris-Verlag, D-56171 Vallendar. Editorial Patris, Santiago de Chile.
Reihen:
Schönstatt-Studien. Patris-Verlag. Editionen und Kommentare zur Anthropologie und Sozialphilosophie Josef Kentenichs, Schönstatt-Verlag. Carisma, Editorial Patris, Santiago.
Zeitschriften:
Regnum. Internationale Zeitschrift der Schönstattbewegung, Vallendar, 1966ff. Basis. Eine Zeitschrift aus Schönstatt. Vallendar: Patris-Verlag. 1968ff. Bewegung: Zeitschrift der Schönstatt-Bewegung in der Schweiz. Quarten. Viele der Gliederungen der Schönstattbewegungen oder nationale Bewegungen haben ihre eigenen Zeitschriften bzw. Mitteilungsblätter.
Weiterführende Information
Sie finden weitere Infos zur Schönstatt-Bewegung auch auf: www.schoenstatt.de
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