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Die Schönstatt – Bewegung ist eine der vielen neuen Bewegungen, die im 20. Jh. in der katholischen Kirche entstanden sind. Sie wollen, je auf ihre spezifische Art, Wege aufzeigen, in unserer postmodernen Welt als Christ und als christliche Gemeinschaften zu leben und zu wirken.

Die Schönstatt Bewegung will Christen motivieren und befähigen aktiv im Leben der Kirche und Gesellschaft mitzuarbeiten. Diese überzeugten Christen wollen durch ihr Leben und Handeln Zeugnis ablegen für ihren Glauben. Sie engagieren sich in Kirche und Pfarrei für ein lebendiges Gemeindeleben und wirken an ihrem Arbeitsplatz und in ihrer Freizeit. Um fruchtbare Arbeit im Weinberg Gottes zu leisten, braucht diese Familie von Aposteln eine lebendige geistliche Quelle, ein Ort, wo sie Stärkung und Ausbildung bekommen können. Diese finden die Schönstätter in ihrer Spiritualität und Pädagogik.

Der innerste spirituellen Kern der Bewegung liegt in der Realität des Bundes Gottes mit den Menschen. Wenige Schüler des Gymnasiums in Vallendar (bei Koblenz / D) nehmen zur Zeit des 1. Weltkrieges (1914) die Überzeugung ihres geistlichen Begleiters Josef Kentenichs auf: Wäre es nicht möglich Gott und im speziellen die Gottesmutter zu bitten, diesen Bund in intensiver Weise zu leben: Die Schüler bringen ihre Bemühungen, Anstrengungen, Sorgen und Nöte zur Gottesmutter ins alte Kapellchen. Sie lässt sich in diesem Kapellchen nieder und wirkt von dort aus, damit die Bündnispartner "das Leben in Fülle" haben. Die Schönstätter sind überzeugt: als Mutter und Erzieherin will Maria seelische Heilung, Beheimatung und Kraft für den Apostel - Dienst schenken, sie will mitgehen auf unseren Lebenswegen in dieser Zeit, damit wir freie, vom Geist Gottes bewegte und begeisterte Menschen werden. So wie sie uns ihren Sohn Jesus geschenkt hat, führt sie uns zu Ihm und seinem Vater. Die Erfahrung von vielen ist: Durch Maria zu Jesus.
Gott nimmt dieses Angebot des gegenseitigen Bundes an und wirkt von dem Moment an unablässig, so dass das kleine Kapellchen zum Heiligtum, zum Wallfahrtskapellchen wird, das bis heute über 200 mal weltweit nachgebaut wurde und wo sich dieser Vorgang des Bündnisschlusses immer wieder wiederholt. Heute nennen die Schönstätter diesen Nachvollzug des Bundes ihr "Liebesbündnis".
Im Leben aus dem Bündnis sind sie überzeugt, Gott wirkt auch in der heutigen Geschichte, im persönlichen Leben, aber auch in der Zeit, überall können wir die Spuren unseres Bündnispartners entdecken. Gott spricht in unseren täglichen Erfahrungen konkret zu uns und wir können mit ihm in einer lebendigen Beziehung stehen.

Zur eigenen Entfaltung und für die Pastoral bietet Schönstatt eine Pädagogik an, welche Antworten zu geben versucht auf die menschlichen Grundfragen der Zeit:
"Freiheit" und "Eigenverantwortung des Individuums" sind wichtige Stichworte. Der Einzelne soll sich zur einmaligen Persönlichkeit entfalten können, so wie ihn Gott geschaffen hat mit seiner je spezifischen Berufung.
Als Heilmittel für die Fragen und Krisen dieser Zeit entwickelt Josef Kentenich, der Gründer Schönstatts, eine Beziehungspädagogik. Er betont, wie wichtig es ist, seine Beziehungen zu Menschen, Orte, Dingen, Ideen, Werte und zur Übernatur immer wieder im Blick zu haben und zu pflegen.
Wo Menschen zusammen leben und auf dem Weg sind da gibt es auch Konflikte und Spannungen. Oft liegen dort aber die wirklichen Energien, die nutzbar gemacht werden wollen. Ein Grundsatz der Bewegung lautet: Initiativen und Engagement wollen wir fördern und schützen. Sich entwickelndes Leben braucht Raum. So kann die Kirche die Zeichen der Zeit verstehen und mit den Menschen auf dem Weg sein.

Auf dem Weg des Lebens hat sich auch Schönstatt entwickelt. Neben der Jugend bildeten sich bald Gruppen für Frauen und Männer, für Familien, Studenten und Priester usw. so dass es heute in der Bewegung über 25 Gliedgemeinschaften gibt. Die einzelnen Gliederungen unterscheiden sich neben den schon genannten verschiedenen Lebensformen durch die Intensität der rechtlichen Bindung an das Werk. Von ideell Gebundenen, bis hin zu festen Gemeinschaften (Liga, Bund, Säkularinstitute).
Die Gliederungen bilden untereinander in jedem Land und insgesamt eine Föderation (vergleiche das Verhältnis der Kantone zum Bund in der Schweiz). Dass heisst jede Gliederung ist rechtlich eigenständig und eigenverantwortlich. Die Einheit in Vielfalt wird durch die Spiritualität und durch Inspiration und Initiative und viel Gespräch herausgefordert und erlebt. Das Leben und die Erfahrungen mit Gott in der Geschichte, wollen zeigen, wohin der Weg der Bewegung geht.

Sept. 2011, P. Raffael Rieger
 
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