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Nummer 69
Vorwort und Inhalt von P. Edwin Germann
Liebe Leserin, lieber Leser, Der letzte Sommerbrief erschien kurz nach dem völlig unerwarteten Heimgang von P. Paul Vautier. Er hatte damals noch den Leitartikel *Der Fussballtrainer verfasst. Der letzte Satz hiess: "Unser allerletztes Tor ist schliesslich B das Himmelstor." Weil viele von uns in diesen Wochen im EM-Fussballfieber sind oder waren bringen wir nochmals einen Text von P. Vautier, den er 1996 für die KIPA geschrieben hatte: "Der gute Fussballtrainer". Offensichtlich ein Lieblingsthema von ihm im Blick auf das Zusammenleben und das Zusammenspiel unter uns Menschen. In seinem Vergleich mit dem Trainer kommen tatsächlich seine eigenen Herzensanliegen für die Kirche und ihre Mit-Arbeiter zur Sprache. Ein klassischer Text, weil nach wie vor aktuell! Am 11. April wurde unser P. Alfons Eichmann nach langer, geduldig ertragener Krankheit heimgerufen. Wer hat ihn nicht in Erinnerung, wie er über Jahre mit seinem Elektromobil die Halbinsel Horw oder in den Ferien das Blenio- und Verzascatal abgefahren ist. *Nach langer, geduldig ertragener Krankheit+ sind Worte, die mit Bedacht gewählt wurden. Ich habe lange gesucht, bis ich Worte bei Josef Piper fand, die die Geduld klar umschreiben. Wir danken P. Eichmann für sein Leben und Ausharren. Er ist der Erste, der jetzt im Urnengrab beim Heiligtum Berg Sion ruht. Es ist, wie wenn dieses Heiligtum dadurch eine neue Qualität bekommen hätte. P. Werner Hegglin hat eine originelle Würdigung von P. Eichmann geschrieben. Am 6. April wurde Pierre-Laurent Bagnères von Bischof Jean Christophe Lagleize in der Kathedrale von Valence zum Diakon geweiht. Es war für mich neu, wie ausführlich der Verantwortliche der Diözese für die geistlichen Berufe den Kandidaten vorstellte. Sympathisch war vor allem, dass auch die Seiten genannt wurden, wo noch Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Bei der Bemerkung, "dass er seine Agenda besser führen soll" ging ein wohlwollend zustimmendes, heiteres Raunen durch die volle Kirche. Beim anschliessenden Apéro kam schön zum Ausdruck, wie sehr die Leute unsern Mitbruder schätzen und lieben. Er hat eine eigene Begabung für Kontakte und Beziehungen. Wir wünschen Pierre-Laurent fruchtbare Diakonatserfahrungen. P. Werner Hegglin schreibt jede Woche eine Kolumne in die Weggiser-Zeitung. Ich habe von ihm eine Kostprobe erbeten. In Burundi haben unsere Mitbrüder spannungsreiche Wochen und Monate erlebt: Viel Leben ums Heiligtum, neue kriegerische Auseinandersetzungen und gesundheitliche Probleme von P. Othmar Landolt. P. Zingg berichtet. Nigeria. Dieser Name schmeichelt nicht allen, nachdem was wir so in den Zeitungen lesen können. An Skandalen fehlt es nicht. Doch es gibt auch das Gute und Geglückte, allerdings nicht ohne Schweiss und Dranbleiben. P. Fred Kistler erzählt uns seine Erfahrungen mit den jungen Mitbrüdern in Nigeria. Die Filiale St. Gallen ist ihrer Tradition treu geblieben und hat wiederum einen mehrtägigen Ausflug gemacht, eine "Studienreise", diesmal nach Turin. P. Erwin Hinder berichtet davon. Am 29. Juni feiern wir das Hochfest Petrus und Paulus. Benedikt XVI. hat aus Anlass des 2000. Geburtstages des Völkerapostels ein Paulusjahr ausgerufen (28.6.2008 B 29.6.2009). P. Kentenich hatte eine grosse Wertschätzung für diese Schlüssel-Gestalt des Christentums. Nicht wenige typische paulinische Ausdrucksweisen haben ihm gedient, seine eigene Identität in Worte zu bringen. Der Patris-Verlag hat eine Textsammlung herausgegeben mit folgenden Kapiteln: Entscheidende Wende, Vorsehungsglaube, Freiheit der Kinder Gottes, Dienende Liebe, Meine Schwachheit-Gottes Kraft, Christusgliedschaft, Neuer Mensch in Christus, Mitleiden mit Christus, Sendungsergriffenheit, Paulus als bewährter Führer. Die Überschriften erinnern an Lieblingsthemen von Paulus und von P. Kentenich. Für den Mittelteil, hier am Schluss haben wir einen Text gewählt, in dem P. Kentenich Familien in den USA den Begriff der *Geöffneten Tür+ (2 Kor 2, 12-13) erläutert, für ihn ein klassisches Bild für den Vorsehungsglauben. Die Infos lassen Sie teilhaben an den kleineren und grösseren Bewegungen und Veränderungen in unserer Gemeinschaft. Wir danken Ihnen herzlich für Ihre treue Weggemeinschaft! Sie gibt uns Mut und Zuversicht für unser Leben und Arbeiten. Uns allen wünschen wir einen guten Sommer und dann das Reifen des Herbstes! P. Edwin Germann Der gute Fussballtrainer: Vorbild für die Pfarreibeauftragten Bezugspersonen und Gemeinde-leiter? P. Paul Vautier
Ich gebe es zu: ich bin nicht sehr fussballbegeistert. Mit einer Ausnahme: ich habe heute noch Hochachtung vor einem deutschen Bundestrainer der 70er Jahre. Das kam so: Ich war zu Beginn meines kirchlichen Dienstes in einem Pfarrhaus, in dem Pfarrer und Haushälterin jeden Samstagabend nach demGottesdienst am Fernsehen Fussball schauten, und wenn ich nicht ganz *out+sein wollte, musste ich mitmachen. Ich habe mich redlich bemüht, einigeSpieler und ihre Namen kennenzulernen (mit wenig Erfolg), mich für eingutes Spiel zu begeistern (mit mässigem Erfolg) und in meinem Hirn Platzfür Fussball zu schaffen (fast kein Erfolg). Aber eines ist mir geblieben: Der Trainer, der nach jedem Match interviewt wurde, immer etwas Gutes über seine Mannschaft zu sagen wussteund nie jemanden bloss stellte. Das wirkte. Ein guter Trainer, der seine Mannschaft auch ziemlich weit brachte. Der *Pfarrei-Trainer+ Ich habe jedenfalls von diesem Fussballtrainer eine Vorstellung von einem gutem Priester oder Gemeindeleiter bekommen. Der Trainer rennt nicht und schiesst nicht die Tore auf dem Feld. Aber er fördert die Spieler, trainiert sie und guckt, dass aus den verschiedenen Stars eine Mannschaft wird. So denke ich auch, dass alle, die ein geistliches Amt gut ausüben, nicht alles selber machen wollen, sich ganz vom Glauben erfassen lassen, den andern Christen helfen, als Gläubige im Alltag zu leben. Der *Pfarrei-Trainer+ bemüht sich darum, dass die Pfarrei ein Ort der Begegnung und des gemeinsamen Lebens wird. Ich habe den berühmten Trainer nie schimpfen hören, auch nicht nach der schlechtesten Leistung seiner Mannschaft. Ich glaube, dass wir uns in der Kirche vieles kaputt machen, weil wir uns mit Kritik und Spott, mit Neid und Heruntermachen das gemeinsame geistliche Leben vergiften. So wird nie eine *kirchliche Mannschaft+ und so macht das *Spielen+ keine Freude. Jesus spricht im Evangelium von sich als dem guten Hirten, der sich sorgt, dass die Schafe *das Leben haben und es in Fülle haben+.Fussballspielen und das Leben einer Pfarrei scheinen weit auseinander zusein. Aber unter den genannten Gesichtspunkten sind sie sehr ähnlich. Esgibt immer wieder Leute, die Fussballtrainer werden wollen und es auch tun. Und so bin ich auch sicher, dass es noch viele junge Leute gäbe, die gute *Pfarrei-Trainer+ werden könnten. Sich den Menschen widmen, damit sie im Alltag *gut spielen+, auch gut zusammenspielen, sich und andern Freude bereiten, und so zum Goal, zum Ziel gelangen C ist das nicht eine schöne Aufgabe? P. Alfons Eichmann (* 24.7.1927 PrW 3.4.1954 H 11.4.2008)
Am Morgen des 11. April 2008 durfte P. Alfons Eichmann sein Leben in Gottes Hände zurücklegen. Er starb im 81. Lebensjahr, nach 54 vollendeten Priesterjahren im Kirchfeld, dem Haus der Betreuung und Pflege in Horw. In der Tageslesung hiess es von Paulus, dass es *wie Schuppen von seinen Augen fiel+, dass er wieder sehen konnte und dass er Jesus verkündete und sagte: Er ist der Sohn Gottes. So darf er jetzt in der Gegenwart Gottes leben. P. Alfons begann seine Wirksamkeit als Lehrer im Studienheim St. Klemens. Am Gymnasium Friedberg in Gossau war er Präfekt und Lehrer für Geschichte und Deutsch. Nach seinem Übertritt zur Gemeinschaft der Schönstatt-Patres arbeitete er in der Seelsorge, bis er als Generalsekretär nach Schönstatt berufen wurde. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Jahre 1973 war er Rektor in St. Gallen und auf Berg Sion und setzte sich besonders für die Männerseelsorge im Rahmen der Schönstatt-Bewegung ein. Schon anfangs der 80er Jahre begann sich seine heimtückische Krankheit bemerkbar zu machen, die ihn zunehmend behinderte und schliesslich seine Übersiedlung ins Pflegeheim notwendig machte. Vorerst war es ihm noch möglich, mit einem elektrischen Rollstuhl kleine Ausflüge ins Dorf und zu den Mitbrüdern auf Berg Sion zu machen. Als auch das nicht mehr möglich war, traf man ihn häufig mit seiner Brissago beim Lesen an, wobei er sich gerne zu einem kurzen Gespräch unterbrechen liess. Wir danken allen, die Anteil genommen haben an seinem Leben und Sterben. Wir danken allen, die ihm auf dem letzten Wegstück seines Lebens nahe gewesen sind und geholfen haben, besonders all jenen im Haus der Betreuung und Pflege in Horw. P. Alfons bleibt uns in Erinnerung als ein Mensch, der seine Krankheit mit grosser Geduld ertragen und den man nie klagen gehört hat. Bis zum Ende seines Lebens hat er die Heiterkeit der Seele bewahrt. In diesem Sinne mögen uns die folgenden Worte in unserm eigenen Leben bestärken: Wir wissen Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen, weil die Liebe Gottes ausgegossen ist in unsere Herzen. Röm 5.3-5 Wer das Gute verwirklicht, indem er auf das Furchtbare, auf die Verwundung zugeht, der ist wahrhaft tapfer. Dieses *Zugehen+ auf das Furchtbare hat zwei Weisen: das Standhalten und der Angriff. Das Eigentliche der Tapferkeit, ist das Standhalten, nicht der Angriff. Das trifft fast noch mehr zu für das geltende Bild der Tugend der Geduld. Geduld ist ein notwendiges Bestandstück der Tapferkeit. Die Geduld ist etwas ganz anderes als das wahllose Hinnehmen von irgendwelchen Übeln: geduldig ist nicht, wer das Übel nicht flieht, sondern, wer sich dadurch nicht zu ungeordneter Traurigkeit hinreissen lässt. Geduldig sein heisst: Sich durch die Verwundungen, die aus der Verwirklichung des Guten erwachsen nicht die Heiterkeit und Klarsichtigkeit der Seele rauben zu lassen. Geduld ist, wie Hildegard von Bingen sagt, die Säule, die von nichts erweicht wird. Und Thomas fasst, im Anschluss an die Heilige Schrift (Lk 21.19) mit grosser Treffsicherheit zusammen: Durch die Geduld hat der Mensch seine Seele in Besitz. Nach: Josef Pieper, Das Viergespann, München 1964, S.181 P. Werner Hegglin hat P. Alfons Eichmann gut gekannt. Seine Würdigung macht uns den Mitbruder nochmals gegenwärtig. P. Alfons Eichmann 1. Präfekt der Unteren Abteilung Ich lernte Alfons als Präfekt der Unteren Abteilung in Gossau kennen. Alfons war von der Pfadi geprägt, Abteilung Luzerner Leu. Die Ausflüge mit den Studenten waren Parforce-Märsche. Beispiel: Zug - Zugerberg - Wildspitz - Bergsturz - Goldau - Rigi Scheidegg und hinunter bis Vitznau. - Alfons war kein Freund von Sitzungen und Planungen. Er war ein großer Improvisierer. Institutionen mied er, wo er konnte; er lebte mit erprobten Faustregeln. Er hatte eine ausgesprochen praktische Ader. Mich hat er, weil deutlich weniger begabt, gerne mit Gelächter eingedeckt. Er hatte ein Herz für junge Leute, für ihre Art Frömmigkeit und für ihre Dummheiten. 2. Als Lehrer ein Historiker Ihn interessierte Zeitgeschichte; der 2. Weltkrieg; was dazu führte und was daraus folgte. Für Hitler allerdings hat er sich nie interessiert. Auf die häufige Frage: Eichmann - verwandt? - Ja, verwandt. Ende. Seine Leidenschaft galt den Siegermächten. Churchill, da kannte er alles, von der Zigarre bis zum letzten Datum. Und De Gaulle - das war der Höhepunkt, reif für politische Heiligsprechung. Bei den Amerikanern kannte er nur die Generäle; und die Invasion in Gela, Sizilien, war eines seiner Glanzstücke. Die Russen waren ihm fremd, er war zu sehr von der amerikanischen Außenpolitik infiziert. Dass unser Gründer den Nationalsozialismus durchschaute und dann sogar ins KZ ging, darauf war Alfons heimlich unheimlich stolz. 3. In den Ferien ein leidenschaftlicher Koch Jeden Sommer hat er ein paar von uns eingeladen: Zehn Jahre ins obere Maggia-Tal, in ein baufälliges Haus in den Monti di San Carlo. Zehn Jahre ins Bleniotal, ins schöne Pfarrhaus von Torre und zehn Jahr nach Vogorno und Brione, Verzasca. Alfons hatte immer seine Bibel dabei, das Kochbuch des Papstes aller Köche, Boccuse. Als Frühaufsteher machte Alfons einen wunderbaren Kaffee für uns, dann schickte er uns zum Teufel (d.h. zum Wandern); er wollte uns erst am Abend wieder sehen zum *pranzone+! So hatte er Zeit zum gemütlichen Einkaufen und Kochen. Als dann seine Krankheit begann und er gelegentlich umfiel C was ihm den Namen Don Sturzo eintrug C fuhr er auch mit dem Rollstuhl nach Locarno, um bei seinen bevorzugten kleinen Läden teuer einzukaufen. 4. Sekretär unseres Generalobern Wie es dazu kam, weiß ich nicht mehr. Mir war und ist es schleierhaft, wie Alfons das wollte. Aber er zog tapfer in die Fremde. Ich vermute, seine Freunde Carlos Sehr und Karl Lukaschek haben ihm über vieles hinweggeholfen. Aber Wurzeln hat er in Schönstatt doch geschlagen im Urheiligtum, das er täglich aufsuchte. Das hat offensichtlich seine zweite Lebenshälfte mitgetragen. In unseren Kursversammlungen hat Alfons jene Jahre und Erfahrungen immer durchschimmern lassen. 5. Zeitlebens ein großer Leser Bis in die letzten Tage hinein war Alfons mit einem Buch anzutreffen. Auch wenn er nach einer Seite nicht mehr wusste, was gewesen war - gelesen musste sein. Vielleicht gehörte er zu denen, die im Notfall auch ein Telefonbuch lesen. Alfons war ein Freund seiner Sachbücher. Trotzdem war er immer überzeugt, dass die Erzählung, die Fiktion, mehr Wahrheit bringen kann. Historische Erzählungen waren darum zeitlebens seine Leidenschaft. Die Dichter waren für ihn die Deuter des Lebens, und so war auch sein Zugang zu den Heiligen und zu den heiligen Schriften. Die Bibel war für ihn kein Sachbuch und schon gar nicht eine Regelsammlung. Alfons lebte in der Gemeinschaft der Heiligen; und für uns, seine Heiligen auf Erden, hat er viel getan und im Verborgenen viel gegeben. Wir danken ihm. Diakonenweihe Pierre - Laurent
Vorstellung von Pierre-Laurent Bagnères durch P. Michel Fourel, Verantwortlicher der Priesteramtskandidaten anlässlich der Diakonenweihe in der Kathedrale von Valence am 6.4.08. M.F.: Père, die heilige Kirche, unsere Mutter stellt ihnen unsern Bruder Pierre-Laurent vor und bittet Sie, dass Sie ihn zum Diakon weihen. Bischof: Wissen Sie, ob er dazu geeignet ist? M.F.:Pierre-Laurent ist in Nice geboren und ist heute 37 Jahre alt. Seine Kindheit und seine Jugend hat er in der Umgebung von Lyon verbracht. Schon mit 9 Jahren hatte er den Wunsch Priester zu werden. Sehr jung ist er bei den Sängerknaben der Kathedrale von Lyon, nach ihm eine Art kleines Seminar. Gleichzeitig ist er bei den Pfadfindern Frankreichs in der Pfarrei vom Heiligen Namen Jesus, bei denen er von Jahr zu Jahr zunehmende Verantwortung übernimmt. Diese beiden Orte, an denen er viele Jahre wirkte, waren, wie er sagt, bestimmend für sein Glaubensleben und seine Berufung. Die Matura in der Tasche studiert er zuerst zwei Jahre Recht und engagiert sich gleichzeitig weiterhin in der Kirche (besonders eine Gebetsgruppe von Kindern und eine Gruppe Ministranten). Er hat Lust an der Literatur und bekommt ein Diplom in Moderner Literatur am Institut Albert le Grand bei Angers. Dann macht er 1996 seinen Militärdienst in der Marine weit weg von Frankreich. Dort vertieft sich seine Berufung durch die schwierige Erfahrung, sich als Christ zu bekennen. Er erlebt das als eine spannende Herausforderung. Nach der Rückkehr geht er ins Priesterseminar St. Irénée für die Diözese Lyon. Mit Hilfe der Priester am Seminar, entdeckt er, dass seine Berufung nicht in Richtung der Diözesanpriester geht. Sein Suchen nach einem starken Leben in Gemeinschaft lässt ihn ein Priesterinstitut entdecken, die Schönstattpatres, dessen Generalat sich in Deutschland bei Koblenz befindet. Nach einem Jahr als Praktikant und Erzieher an der Schule St. Joseph in Allex, tritt er im August 1999 ins Institut ein. Dort ist er für eine Zeit der Prüfung und setzt gleichzeitig seine Studien fort an der theologischen Fakultät von Lyon, um danach für zwei Jahre ins Noviziat nach Schönstatt zu gehen. Diese Zeit war u. a. geprägt durch eine fünfmonatige Erfahrung als Hilfspfleger bei Sterbenden. Dort entdeckt er den Dienst des Mitleids und einen Ort, an dem er sich gut fühlt. Seine Ausbildung lässt ihn nach Lyon zurückkehren, wo er weiter die Kurse der Theologischen Fakultät besucht. In Verbindung mit seinem Institut bittet er im Dezember 2004 um Aufnahme in unsere Diözese, um dort die Pfarreipastoral kennen zu lernen. Während fast drei Jahren ist er im Pfarreiverband Heilige Familie in Crest und Hl. Marcel von Die. Der Weg von Pierre-Laurent war lange und liess ohne Zweifel die Geduld in ihm wachsen. Während dieser drei Jahre hat er sich gut engagiert in verschiedenen Bereichen der Pfarrei. Nach Ansicht aller ist er ein angenehmer und sympathischer junger Mann. Sein jovialer Charakter liess ihn vielen Menschen begegnen, gewöhnliche Pfarrei-Angehörige, engagiert in der Kirche, Kindern, Jugendlichen, Kranken, einer Gruppe von Musikern in Crest, auch Obdachlose, die er gelegentlich besuchte. Sein Sinn zum Dienen und sein Charisma zu animieren brachten ihm Wertschätzung, manchmal war er ein entscheidendes Element für das Leben einer Gruppe, ich denke vor allem an die Pfadfinder von Crest, die er dynamisierte! Seine Fähigkeit andern zuzuhören ist beachtlich, vor allem bei Kranken, die er im Rahmen seines Einsatzes besucht. Pierre B Laurent anerkennt, dass ihm dieses Praktikum geholfen hat zu wachsen. Er hat vertraut und war der Kirche während dieser Prüfungszeit treu, sei es im Institut der Schönstattpatres sei es in unserer Diözesankirche. Wie jeder Neugeweihte, wird auch Pierre-Laurent noch lernen müssen, vor allem seine Agenda besser zu führen, er muss lernen *nein+ zu sagen, sich nicht zu verlieren und noch besser im Team zu arbeiten. (zustimmendes wohlwollendes Raunen in der vollen Kirche!) Das Institut der Priester, dem er angehört, wird ihm ermöglichen, ein gutes Gemeinschaftsleben zu pflegen und seinem Wunsch nach persönlicher Begleitung Rechnung zu tragen. Père-Evêque, mit dem vollen Einverständnis von P. Edwin Germann, dem Provinzial der Schönstattpatres (dem ich für sein Vertrauen und seine wertvolle Zusammenarbeit danke) empfehle ich ihnen nun Pierre-Laurent. Das Volk Gottes wurde befragt und die, denen es zukommt, haben ihre Meinung geäussert. Daher bezeuge ich, dass er als würdig befunden wurde, geweiht zu werden. Sonntagsbrief für Wochenzeitung, Weggis, Vitznau, Greppen P. Werner Hegglin
Liebe Leserin, Lieber Leser In diesem Monat Mai hatte ich zu tun mit den Büchern von Robert Walser (1878 - 1956). Wer ihn liest, freut sich sofort, wie lebendig und dichtgewoben er schreibt! Es ist immer eine Freude, Walser zu lesen. Einen seiner Sätze habe ich behalten: *Verehren kann das Gegenteil von ehren sein, und die Achtung ist zuverlässiger als die Bewunderung.+ (sämtliche Werke 20, 380) In der Tradition ist der Mai ein Monat besonderer Marienverehrung. Da hinein hat mich der Satz von Walser getroffen. Es sind zwei Gedanken: *Verehren kann das Gegenteil von ehren sein.+ Walser sagt: kann; es muss also nicht so sein. Prüfen wir, wie das mit dem Verehren ist; bei uns, bei andern. Stimmt es? Und was wäre das Gegenteil von ehren? Beim zweiten Gedanken ist Walser sicher: *Die Achtung ist zuverlässiger als die Bewunderung.+ Warum? Schauen wir, was geschieht, wenn wir die Muttergottes achten, anstatt *verehren+ und *bewundern+. Sich achten heisst vorerst, dass wir aufmerksam sind, dass wir etwas merken, dass wir die Person der Muttergottes überhaupt bemerken. Sonst geht der Maimonat vorbei; wie jeder andere Monat. Achten macht zuverlässig. Achten heisst auch: Respekt haben, jemand besonders beachten. Heilige beachten wir besonders, Heilige im Himmel und Heilige auf Erden. Es gibt auch hier Menschen, die uns heilig sind. Wir sind nicht von selber heilig, wir können uns auch nicht selber heilig machen. Wir sind durch die Gegenwart Jesu in unserm Leben geheiligt. Eigentlich sind wir dann nicht Heilige, sondern Geheiligte. Deswegen ist es verständlich, wenn wir Maria nicht nur achten, sondern hochachten wegen ihrer besonderen Nähe zum Leben Jesu. Achten hat auch mit sehen zu tun und dann auch mit überlegen, erwägen und verstehen. Überlegen wir, wozu Maria berufen war. Der Bote Gottes sagte zu ihr: *Du bist voll der Gnade. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.+ Maria antwortet: *Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.+ Lukas 1,38. Maria ist voll und ganz bereit, das Wirken Gottes an ihr geschehen zu lassen. So werden wir verstehen, wie Maria das Grundmuster ist für ein religiöses Leben von Christinnen und Christen. Und: *Die Achtung ist zuverlässiger als die Bewunderung.+ Wer Maria achtet, findet den direktesten Weg zu Jesus Christus. Meine Erfahrung in der Pfarrei *Bon Pasteur+ (Oktober 2007 bis Mai 2008) P. Anicet Nyandwi
Ein Monat nach meiner Priesterweihe begann meine Arbeit in der Pfarrei *Gut Hirt+ in Gitega im Landesinneren. Die Pfarrei erstreckt sich über die meisten Quartiere dieser zweitwichtigsten Stadt von Burundi. Sie zählt etwa 4000 aktive Gläubige, die meisten Staatsangestellte. Es sind dort auch zehn kleinere Religiöse Gemeinschaften vertreten. Gegründet 1995, hat die Pfarrei bis heute noch kein eigenes Pfarrhaus. Am Beginn meines Praktikums wurde ich von der Pfarreigemeinschaft sehr gut aufgenommen, natürlich auch vom Vikar in Abwesenheit des Pfarrers, der bald darnach von den Ferien zurückkam. Während ich dem Pfarreirat erklärte: *Denkt nicht, dass ich ein besonders talentierter Mann bin! Doch ich komme mit der Bereitschaft, zusammenzuarbeiten und zu dienen+, meinte der Vertreter dieses Gremiums: *Wir hoffen von dir neue Impulse und Ideen für den weiteren Aufbau der Pfarrei.+ Nach einigen Tagen der Einführung sagt mir der Pfarrer: *Hier gibt es zwei Bereiche, die einer besonderen pastoralen Aufmerksamkeit bedürfen: die Familien und die Jugend.+ Sehr schnell drückte ich ihm meine Bevorzugung für die Jugend aus. Man stellt mir also die verschiedenen Jugendgruppen der Pfarrei vor. Die meisten Jugendlichen sind aktiv in einem oder gar in zwei der drei Kirchenchöre, die abwechslungsweise den Sonntagsgottesdienst mitgestalten. Daneben gibt es weitere Gruppen der Katholischen Aktion. Eine besondere Gruppe sind die *Strassenkinder+, die von der Pfarrei betreut und verköstigt werden. Ich begleitete sie alle. Ich habe auch geholfen, eine Gruppe der *Xaveri+ zu gründen. Ich achtete auch darauf, dass die Schönstattbewegung von meiner Anwesenheit profitieren konnte. Ich machte die Erfahrung eines etwas komischen Rhythmus. Von einem Moment zum anderen hiess es: *Komm!+ Da war ein Brautpaar, das eine Unterweisung brauchte, da starb ein Gläubiger, dessen Familie bat, eine Messe zu feiern oder ich wurde schnell zu einem Kranken für die Krankensalbung gerufen. Da gab es auch schwierige Situationen: ein plötzlich starker Regen, eine Panne mit dem Motorrad oder ein Polizist, der mich zu den gemeinsamen Reinigungsarbeiten vom Samstag beordern wollte... So bekam ich den Eindruck, dass ein Priester beweglicher sein muss als ein Soldat. Ich bin wirklich zufrieden, als *Diener Christi+ dort gewirkt zu haben und verlasse die Pfarrei mit guten Eindrücken. Durch viele Kontakte mit den *Basisgemeinschaften+ (Untergruppierungen der Pfarrei) stellte ich einen grossen Willen fest, aktiv am Pfarreileben mitzuwirken. Die Gläubigen möchten auch helfen, dass bald ein Presbyterium (Pfarrhaus) gebaut werden kann und die Pfarrei sich ökonomisch selbst versorgen kann. Die Verabschiedung stimmte etwas melancholisch. Was mich aber besonders berührt hat, ist: Am Tag meiner Rückkehr in die Gemeinschaft begleitete mich eine Delegation der Pfarrei mit Geschenken, um meinen Mitbrüdern zu bedeuten, dass sie auf einen Nachfolger hoffen... Burundi: Rundbrief P. Paul Zingg
Der Rundbrief von anfangs Mai von P. Paul Zingg gibt einen guten Einblick in die Situation in Burundi. In letzter Minute erreicht uns ein Kurzbericht von P. Félicien NIMBONA in französisch. Leider reicht die Zeit nicht mehr, ihn zu übersetzen. Er nennt Faktoren, die die Not Burundis verdeutlichen: Nahrungsmittelknappheit durch Krieg und widrige Witterungsverhältnisse, Preisexplosion, Menschenrechts-verletzungen, Integration der ehemaligen Rebellen, die Waffen die in der Bevölkerung zirkulieren. Immerhin: seit ende Mai gibt es wieder mehr Hoffnung! Die letzte, hartnäckige Gruppe der Rebellen hat Ende Mai ein Abkommen über den Waffenstillstand unterzeichnet. Ihre Führer bewegen sich inzwischen in der Hauptstadt unter dem Schutz südafrikanischer Militärs. Es beginnt das Ringen um die angemessene Beteiligung an der Macht. Liebe Angehörige und Freunde,es drängt mich, Euch zu Beginn dieses Maimonates einen weiteren Rundbrief zu schreiben. Vermutlich haben viele von Euch über die Medien erfahren, dass in Burundi wieder neu Kämpfe aufgeflammt sind, was leider der Wahrheit entspricht. Unterschwellig glimmt das Feuer des Bürgerkrieges weiter und wird vor allem von einer Rebellengruppe geschürt (FLN - Frond de libération nationale), die bis jetzt nur auf dem Papier integriert ist. So wurde vor 14 Tagen beim Einnachten aus vielen Rohren ein Feuerregen über die Hauptstadt inszeniert, wobei ein Posten ganz nahe bei unserem Gelände aufgestellt war. Und einmal mehr haben wir den Schutz von oben erfahren, da alle Geschosse über unser Gelände hinweg zischten oder in andre Richtung gelenkt waren und wir mit dem Schrecken davon gekommen sind. Unglücklicher ging es der Nuntiatur, wo ein paar Tage später ein Kanonengeschoss im Innenhof einschlug und erheblichen Sachschaden anrichtete. Zum Glück war in diesem Moment niemand im Haus. Unglücklich war auch der Einschlag von zwei Granaten in unserer Nähe, wobei eine auf ein Regierungsauto geworfen wurde und dabei eine Person tödlich getroffen wurde, während die andere im Garten unserer Angestellten sprengte und leider das zehnjährige Mädchen unserer Wäscherin Elisabeth am Oberschenkel traf. So verwundert es nicht, dass in der Bevölkerung wieder das Gefühl von Unsicherheit und Angst herrscht. Es ist schwer zu wissen, welches die eigentlichen Motive der Rebellen sind. Geht es ihnen nur um die Amnestie von Kriegsverbrechen oder gibt es Gruppen, die interessiert sind, dass die Unsicherheitssituation anhält. Und immer wieder die Frage: wer verkauft diesen Gruppen die Waffen und woher kommt das Geld dafür? Ein weiteres erstaunliches Phänomen: zweimal bin ich auf dem Weg nach Mutumba auf der Hauptstrasse einer Gruppe dieser Rebellen in der Nähe von Militärwachen begegnet. Offensichtlich will man sich nicht gegenseitig umbringen, was verständlich ist. Andererseits sind vor zwei Tagen massive Kontingente von Soldaten auf die Hügel transferiert worden, wo Kämpfe stattfinden und die Bevölkerung einmal mehr in die Flucht getrieben wird.Bei all dem lassen wir uns aber nicht entmutigen. Leider sind wir schon fast an solche Situationen gewöhnt. Wir sind dankbar, dass wir unsere pastorale Aufgabe weiterhin wahrnehmen können, ja man bekommt den Eindruck, dass diese prekäre Situation die Menschen noch mehr zum Beten motiviert und zusammenführt. So haben wir am vergangenen Sonntag wieder den Beginn des Marienmonats mit vielen tausend Pilgern begangen. Wir erleben immer wieder Zeichen des Wirken Gottes und der Gottesmutter unter uns. Seit Ende des Jahres ist ein grosses Bild der Schönstatt-Madonna hier auf Besuch, die sg. *Pilgernde Gottesmutter+, die auf Weltreise ist, um Gemeinschaften und Pfarreien zu besuchen und Länder und Menschen mit einander zu verbinden und Frieden zu stiften.Dabei geschehen wunderbare Dinge, etwa beim Besuch der Pfarrei in Buhonga. Dieser Ort liegt im *Rebellenland+ und wird von den Städtern seit Jahren gemieden. Und trotzdem sind 10 Busse mit Gläubigen aus der Stadt mitgepilgert und dort von den Pfarreiangehörigen mit grosser Freude empfangen und verköstigt worden. Ein wirkliches Fest der Versöhnung! - Vor 10 Tagen hat unser Chor der Jugendlichen (mit über 100 Mitgliedern!) eine Reise ins Landesinnere nach Ruyigi gemacht und dort ein *Friedenskonzert+ für viele hundert Zuhörer gestaltet und bei der Sonntagsmesse mit dem Bischof mitgewirkt. So versuchen wir immer wieder neu, mit Hilfe der Gottesmutter die Menschen miteinander in Verbindung zu bringen und am Friedensnetz zu knüpfen. Auf Pfingsten hin haben wir zu einer Pfingstnovene eingeladen, wobei das Allerheiligste während des ganzen Tages und auch in der Nacht ausgesetzt wird. An Betern wird es nicht fehlen. Ich bin überzeugt, der liebe Gott wird dieses Heer nicht überhören und das Übel nicht triumphieren lassen, wie es oft scheint. Auch im sozialen Bereich gibt es Fortschritte. Der Finanzrat der Gemeinschaft konnte ein Internatprojekt für 60 Strassenjungen genehmigen. Das Projekt für die Lehrlingsausbildung in Kabezi, wofür wir von der DEZA Schweiz einen namhaften Betrag erhoffen, braucht Geduld und muss noch weiter abgeklärt werden. Man verlangt in der Schweiz einen Businessplan für 10 Jahre, was nicht so einfach zu erstellen ist. - Drei junge Männer aus der Schönstattbewegung (ein Spanier und zwei Portugiesen) haben sich für 10 Monate zur Verfügung gestellt, um bei der Realisierung dieser Projekte mitzuhelfen. Ich bewundere ihren Einsatz und ihre Begeisterung, um Jugendlichen eine solide Ausbildung zu ermöglichen.Innerhalb der Gemeinschaft hat uns P. Othmar nach einem Sturz im Inneren des Landes vor einem Monat grosse Sorge gemacht. Er wurde linksseitig etwas gelähmt. Nach der Einschätzung der Ärztin, einer russischen Kardiologin, war Typhusfieber die direkte Ursache des Unfalls. Sie verschrieb 14 Tage strikte Bettruhe. Dank guter Betreuung Cer bekommt auch täglich Massage durch einen chinesischen TherapeutenC hat sich seine Situation wesentlich gebessert, so dass er nun schon kleine Ausflüge bis zum Heiligtum macht und zunehmend beweglicher ist. Die Ärztin sagt, dass die Behandlung zwei Monate dauert. Erst dann könne man eine Reise nach Europa planen. Wir sind der göttlichen Vorsehung sehr dankbar, dass wir so kompetente Hilfe gefunden haben und unser Mitbruder in der Gemeinschaft gepflegt werden kann. Er nimmt sein Geschick geduldig und mit Vertrauen an und hat schon seinen Humor wieder gefunden. Dass die Globalisierung auch auf dem Gebiet der Medikamente sichtbar wird, zeigt sich etwa darin, dass der Patient Medikamente französischer, belgischer, russischer, griechischer und chinesischer Herkunft verschrieben bekommt.Im Übrigen sind alle Patres seit Ostern ins neue Haus *Maison Sion+ eingezogen und erfreuen sich der ruhigen Lage und der bethaften Kapelle, die uns helfen, als internationale Gemeinschaft zusammenzuwachsen. Auch das dreimalige Läuten der *Friedensglocken+ gehört jetzt zum täglichen Rhythmus. Wir hoffen zuversichtlich, dass die Mutter Gottes uns im Maimonat viele Gnaden der Versöhnung und des Friedens im Herzen Afrikas erfleht und auch Euch alle einen Segen schickt.Herzlich danke ich für Euere Treue und die vielfältige Unterstützung, die wir immer wieder erfahren dürfen. So verbleibe ich mit lieben GrüssenEuer P. Paul Zingg Nigeria: Vielfältiges Leben P. Fred Kistler
Unsere neun Novizen, zwischen 25 und 27 Jahre alt, sind kürzlich aus dem fünfmonatigen Praktikum zurückgekommen. Was war der Sinn? Nach dem ersten Jahr Noviziat, das der Einführung in Geschichte, Geist und Leben der Gemeinschaft gewidmet war, begleitet von Prozessen der Selbsterkenntnis, des Selbstwerdens und des Zusammenwachsens zu einer Lebensgruppe, wurden sie gleichsam zurück ins Leben der Arbeit geworfen, um dort zu testen, wie sich ihre Ideale in der Konfrontation eines raueren Alltags leben lassen und bewähren. Sie sollten später nicht über Heiligung des Alltags sprechen, es sei denn aus eigener Erfahrung. Je zwei (an einem Ort drei) kamen in Spitäler in verschiedenen Städten. Vier waren in französisch sprechenden Nachbarländern, um gleichzeitig ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Zusammen in einem Zimmer oder einer Wohnung waren sie auf sich selber gestellt. Arbeitszeit von7 Uhr bis 2 oder 3 oder 4 Uhr, je nachdem mit kurzer oder auch ohne Mittagszeit. Als Krankenpfleger war der Einsatz meist für je einen Monat auf einer Abteilung bei Männern, bei Kindern, beim Notfall, im Operationssaal, an der Kasse usw.: hautnaher Kontakt mit Leben und Tod, Ängsten und Hoffnung, Begleiten von Einzelschicksalen mit einem Wort der Ermutigung, der Hoffnung, des Trostes. Niemand ausser der Spitalleitung kannte sie als Seminaristen, gelegentlich wurden sie im weissen Kittel mit dem Stethoskop sogar als Ärzte gehalten. In einem der Spitäler wollte der Hausgeistliche, dass sie in weisser Soutane pastorale Krankenbesuche machen würden. Der Erzieher musste eigens nochmals hinfahren, um diese Form eines Praktikums nicht als *Quasi-Priester+, sondern im Laieneinsatz einsichtig und akzeptabel zu machen. Nach der Arbeit im Spital blieb das Einkaufen, Kochen, Waschen, Putzen und das Ringen mit Zeit und Müdigkeit, um Raum für Besinnung, Gebet und Hl. Messe zu finden. Dieses Praktikum wird am Ende durchwegs als recht harte, aber äusserst hilfreiche Erfahrung gewertet. Zudem gewinnt jeder die innere Sicherheit, dass er alleine auf sich gestellt fähig ist, seine Berufung zu leben. Die erste Gruppe, die sich vor einigen Jahren fürs Praktikum rüstete, war recht skeptisch und ängstlich, aber nachher sagte einer von ihnen: *Allein wegen Einführung dieses Praktikums müsste P. Kentenich heilig gesprochen werden!+ In diesem Jahr kommt die dritte Gruppe unserer Studenten zum Abschluss ihrer Ausbildung. Sieben werden für drei Monate noch an einem internationalen Schulungskurs in unserm Zentrum in Schönstatt teilnehmen, um dann dort am 31. August zu Diakonen geweiht zu werden. Zurück in Nigeria geht es in Pfarreien für eine pastorale Erfahrung, der am 13. Dezember die Priesterweihe folgt. Wir freuen uns, dass damit unsere Neugründung auf 12 einheimische Priester anwachsen wird. Aus 160 Anmeldungen hatten wir für die Osterwoche 20 zu unserm Haus in Ibadan eingeladen. Zehn davon werden im August mit ihrer Ausbildung beginnen, ein Prozess von gut 10 Jahren, der die philosophisch-theologischen Studien einschliesst. Wir dürfen in den jungen Leuten immer wieder starkem, erfrischendem Leben mit viel Glaubensfreude und Glaubenskraft begegnen. Wir wagen sie aufzunehmen im Vertrauen, dass uns Pfarreien und Gruppen weiterhin helfen, die Ausbildungskosten aufzubringen. Vor vier Wochen sind zwei Ökonomiestudenten aus der Schönstatt-bewegung von Chile hier eingetroffen. Sie opfern ein Semester ihres Studiums und haben sich die Finanzierung ihres Einsatzes selber organisiert. Ihr Ziel ist es, die Bewegung unter Studenten an der Uni aufzubauen, um an der Formung starker, vom Glauben geprägter Führungspersönlichkeiten für Afrika mitzuwirken. Es ist grossartig, diesen Enthusiasmus und diese Einsatzbereitschaft zu erleben. Andererseits war interessant zu beobachten, wie Studenten, die gewohnt waren in schlacksiger Kleidung an die Uni zu gehen, lernen mussten, dass ein Student in Nigeria gepflegt daher kommt, auch wenn er möglicherweise nur eine einzige bessere Hose hat. In Afrika kann man etwas von menschlicher Würde lernen, die sich nicht unmenschlich von der Form getrennt hat. Auch das gibt es noch: Ein Junge von 14 Jahren fährt über Land zurück zur Internatsschule. 17 Personen sind im Kleinbus, der Kunden einsammelt und transportiert. Unterwegs benutzt der Fahrer einen Spray, der die Mitfahrenden einschläfert, und bringt sie zu einem traditionellen Shrine versteckt im Wald. Einer nach dem andern wird dem Gott, der Reichtum oder Kindersegen oder weiss nicht was verheisst, geopfert. Wie die Reihe an den Jungen kommt, steckt er in seiner Not seinen Rosenkranz in den Mund. Der Schlächterpriester hebt seinen Arm, ist aber unfähig zuzustechen und schimpft: _Was habt ihr mir da gebracht; der steht unter einer anderen Macht!= Der Junge wird ausgesetzt und findet seinen Weg wieder nach Hause; er gehört zu unserer Nachbarschaft. B Der Teufel hat viele Formen seines Wirkens. Überall zerstört er Leben, die Ein-Sicht ins Wahre, Bande der Einheit und des Miteinanders, der Liebe. Die _andere Macht=, die heilt, ist immer noch und überall aktuell. Mo 31. März bis Mi 2. April 2008: Jahresausflug der Patresfiliale St. Gallen nach Turin: Eine Stadt der sozialen Werke grosser Heiliger; des pulsierenden Lebens in einer prächtigen Landschaft P. Erwin Hinder
Irgendwann kam unter uns der Gedanke auf, Turin zum Ziel unserer Jahresfahrt zu machen und dafür drei Tage einzusetzen. Dabei galt unser besonderes Interesse den zwei grossen Turiner Heiligen Don Bosco und Giuseppe Cottolengo, deren Leben und apostolisches Wirken in einem Höchstmass von ihrem wagemutigen Vorsehungsglauben geprägt war. In der Frühe des Abreisetags feierten wir vier Bewohner der Langgass-Filiale im Heiligtum die Messe zum nachgeholten Fest *Maria Verkündigung+. Zu diesen Patres - Alois Ziegler, René Klaus, Toni Durrer und Erwin Hinder, die in St. Gallen den Zug bestiegen, stossen in Wattwil P. Rieger und in Arth Goldau P. Brunner hinzu. Durch die Schweizer Alpen begleiten uns Regenschauer und wir schauen in eine von Wolken verhangene Landschaft. Umso befreiender begrüsst uns auf der Südseite ein besonntes Land unter blauem Himmel. Nach einer mittäglichen Umsteigpause in Mailand fahren wir noch rund 2 Stunden durch eine uns unbekannte Gegend Richtung Turin. Zur Beratung für unseren Aufenthalt in Turin hatte sich P. Alois an P. Giordano Aldo gewandt, dem in St. Gallen stationierten Generalsekretär der europäischen Bischofskonferenzen. Dieser ist mit einem Priester der Gemeinschaft von Cottolengo in Turin befreundet: Don Carmine Arice. In ihm bekamen wir einen äusserst kompetenten und mitbrüderlichen Reiseführer, der uns während des ganzen Aufenthalts begleitete und mit einem Kleinbus an die für uns interessanten Orte führte. Gegen 16 Uhr holte uns Padre Carmine am Turiner Bahnhof Porta Susa ab. Vom sonnig-sichtigen Nachmittag angetan fuhr er mit uns gleich zur Basilica di Superga auf den höchsten Hügel am Rande Turins mit einer wunderbaren Sicht auf die ganze Stadt und einem grandiosen Rundblick von den *Colinas del Po+ bis zu den uns vom Norden her auch aus der Schweiz grüssenden, schneebedeckten Viertausendern. Die riesige Kuppelbasilika auf diesem Gipfel haben die Savoyer als einstige Herren des Landes gebaut. Fast alle ihre Könige sind in der Krypta dieser Repräsentations-Kirche begraben. Mit dem Blick auf die City zu unseren Füssen gewannen wir auch eine erste Orientierung, wo in dieser sich weit in der Poebene ausbreitenden Stadt (900 000 Einw.) einige der für uns sehens- und bedenkenswerten Stätten zu finden sind. Als erstes fahren wir runter zur Piazza San Giovanni mit dem Johannes als Stadt-Patron geweihten Dom. Er birgt die wohl kostbarste Reliquie der Christenheit: Das heilige Grabtuch Jesu. Wegen des Brandes von 1997 ist zwar die *Cappella della Sindone+ noch nicht zugänglich, das sorgfältig zugedeckte Grabtuch aber in einer Seitennische des Doms zur Verehrung gegenwärtig und durch grosse Fotos illustriert. Ein erster Spaziergang führte uns durch weitere Sehenswürdigkeiten. Auffällig sind die Schachbrett artig durchgezogenen Strassen, gegliedert durch weltliche und kirchliche Prachtbauten. Bemerkenswert ist die fast rundum von Arkaden gesäumte Piazza Castello. B Nach den vielen Eindrücken brachte uns Don Carmine zur Villa Speranza, unserer Unterkunft am Rande der Stadt: Ein von Religiosen geführtes kleine Schulungshaus mit Pension, wo wir bestens verpflegt und untergebracht wurden. Am folgenden Morgen lockt uns die aufgehende Sonne als erstes zu einem zweiten Aussichtspunkt: zum Monte dei Cappuccini (Kloster u. Kirche): Er bietet uns einen nahen Blick auf den Po, Teile der Stadt und in die Berge. Alsdann wenden wir uns dem Leben und Wirken des Hl. Benedetto Cottolengo (1786-1842) zu, dessen Patresgemeinschaft unser Reiseführer angehört. Im Quartier seiner Gründung in Turin, das ja auch seinen Namen trägt, zeigte uns ein deutschsprachiges Video den eindrücklichen Werdegang dieses Priesters. Anschliessend feierten wir die Hl. Messe am Grab dieses erstaunlich zeitgemässen, bei uns jedoch kaum bekannt gewordenen Heiligen. Hat sich Don Bosco vor allem der Erziehung der Jugend gewidmet, so hat Cottolengo sich der Armen und Verlassenen, der Arbeitslosen, der Kranken, besonders auch der körperlich und geistig Behinderten aus allen Schichten angenommen. Alles was dafür nötig war, erwartete er immerzu in radikalem Glauben von der göttlichen Vorsehung. Aus der ersten kleinen Hütte in Turin zur Aufnahme von Ausgestossenen, der *Piccola Casa della Divina Providentia+, ist ein bis heute riesig ausgedehnter Komplex sozialer Dienste heraus gewachsen. Partnerschaftlichen Beistand leisten Schwestern, Brüder, sowie Priester und eine grosse Zahl von verschiedensten freiwilligen Helfern. Das ganze Werk wird unterstützt durch zahlreiche finanzielle Spender, die vielfach anonym bleiben. Die Hunderten von Beteiligten bilden gleichsam *eine Stadt in der Stadt+. Bei einem Gang durch einige Höfe und Häuser durften wir da und dort einen Blick darauf werfen, wie Behinderte in familiär gegliederten Gruppen durch Malen, Musizieren, Spielen usf. gefördert werden. Das Mittagessen nehmen wir in einem Saal ein, in dem sich auch freiwillige Helfer bedienen. Wie Cottolengo hat auch Don Bosco einen Stadtteil mit seien erzieherischen Initiativen und Einrichtungen geprägt: Das *Valdocco+. Da Don Bosco die von ihm gegründete Gemeinschaft nach dem von ihm verehrten hl. Franz von Sales benannte, spricht man auch vom *salesianischen Turin+. Ein älterer, deutsch sprechender Salesianer führte uns mit einigen Hinweisen durch die ausgedehnten Gebäulichkeiten und zu ausgewählten Gedenkzeichen an die einstige Wirksamkeit Don Boscos, die noch heute weltweit reiche Früchte trägt. Schon als Neupriester hatte er am Rande Turins begonnen verwahrloste Buben zu sammeln und für ein gutes Leben zu motivieren, fand aber über Jahre hin weder Unterkunft noch Spielraum für sie. Erst im fünften Priesterjahr (1846) bekam er einen (Wäsche-) Schuppen von der Herrschaft Pinardi, deren Haus er später ebenfalls übernehmen konnte. Wir besuchten die heute daraus entstandene *Pinardii Kapelle+, dem Ursprungsort der Oratorien. Daneben traten wir in die dem hl. Franz von Sales geweihte Kirche. In einem Gebäudeteil können wir die von Don Bosco benutzten Zimmer und Arbeitsplätze mit zahlreichen geschichtlichen Dokumenten auf uns wirken lassen. Den Höhepunkt bildet die zweikupplige *Maria-Hilf-Basikika+ . Beim ersten Seitenaltar rechts lädt uns der hl. Don Bosco ein, ihn mit einem Gebet zu begrüssen: Wir stehen vor seinem durchsichtigen Sarkophag. Vor der Basilika schauen wir im Vorbeigehen noch auf ein modernen Denkmal zu seiner Ehre. An diesem Abend, da wir *auswärts+ essen wollten, führte uns Don Carmine in ein unmittelbar am Po gelegenes, ansprechendes Restaurant. Da fand auch jeder das ihm zusagende Menü. Für den Dessert begaben wir uns zu einer offenen Gelateria, wo wir uns mit feinster Glace bedienen konnten. Im Freien, an der nahen Brüstung des glitzernden Po konnten wir=s uns schmecken lassen. Den sonnig-schönen Tag beschlossen wir mit einer Fahrt durch das nächtliche, von *Licht-Alleen+ erleuchtete Turin. Gut gestimmt begeben wir uns in unsere Unterkunft zum wohltuenden Schlaf. Am Morgen dieses letzten Tages in Turin feiern wir um 6.45 in einer kleinen Kapelle in unserer Unterkunft die hl. Eucharistie. Nach dem Frühstück fahren wir über Chieri, wo der Hl. Cottolengo 1842 gestorben ist, zum Colle di Don Bosco. Hier besuchen wir das rustikale Haus in dem Don Bosco aufgewachsen ist und nahe dabei die kleine, zur Zeit des ersten Weltkriegs erbaute Maria-Hilf-Kirche. Auf der Höhe des Hügels ragt mit imposanter Kuppel die *Don-Bosco-Kirche+ empor. Es ist eine modern gestaltete Kirche (die auf einer Unterkirche steht) und den auf die Jugend abzielenden Gedanken der Auferstehung zum Ausdruck bringt (1. Mai 1984 eingeweiht). Sie wurde an der Stelle errichtet, wo einst das Geburtshaus von Johannes Bosco gestanden hat. Es bleibt uns einige freie Zeit, um uns auf diesem hl. Berg und seiner Kirche zu ergehen. Hinter der Kirche gibt es neben Wallfahrts- Einrichtungen ausgedehnte Schulbauten im Dienste des Apostolats. Zum Mittagessen sind wir wieder in der Villa Speranza. Dann schlägt die Stunde zur Rückfahrt, Don Carmine, bringt uns zum Bahnhof Porta Susa zurück. Ihm verdanken wir in besonderer Weise das gute Gelingen dieses Besuchs in Torino, dazu P. Alois Ziegler, der diesen Filialausflug so passend eingefädelt hat. Und vor allem: Vergelts Gott mit all den Turiner Heiligen, dass wir alle so reich beschenkt ohne eine Panne zurückgekehrt sind. INFOS
Das Leben unserer Schweizer Provinz ist in diesem Jahr von drei gemeinschaftlichen Ereignissen geprägt: Provinztage, Visitation und Kongress. Die Provinztage im Februar sind immer eine gute Gelegenheit die Gemeinschaft zu spüren, durch Rück- und Ausblick unser Leben und Arbeiten zu prüfen und neu auszurichten. Diesmal waren Begriffe wie *Begleiten, Kooperieren, Vernetzen und Mit-verantwortung fördern+ tonangebend. Sie sollten mehr und mehr auch stilbildend sein. Die Entdeckung der *3 Häuser+ wirkte sich weiterhin belebend aus. Wir nennen sie kurz *ü 70, u 60+ und die *Dazwischen+. Jede Generation hat ihre eigenen Erfahrungen und ihre eigene Sprache und z.T. auch eigene Themen. Die Kunst wird sein, das Gemeinsame zu sehen und zu pflegen. Dazu dienen die zwei andern Gefässe, Visitation und Kongress. In unserer Lebensregel ist vorgesehen, dass einmal während der 6-jährigen Amtszeit einer Provinzleitung eine Visitation stattfinden muss, durch den Provinzial oder durch den General B wir nennen ihn Paterfamilias. Visitation heisst schlicht *Besuch+. P. Heinrich Walter hat uns also im März besucht und durchschnittlich jedem Mitbruder einen halben Tag und jeder Filiale eine ganzen Tag gewidmet. Jeder konnte aus seinem Leben und Arbeiten erzählen. Sinn der Visitation ist auch die *Aussensicht+, dass Vernachlässigtes und blinde Flecken gesehen werden. So gab es am Ende eine Auswertung mit der Provinzleitung und einen Brief an die ganze Provinz. Wir sind unserm Paterfamilias sehr dankbar für seine wohlwollend-kritische Gegenwart unter uns. Sein Besuch hat uns bestärkt und ermutigt. Zwei weitere Gefässe, die das Leben der Gemeinschaft sammeln und erneuern sollen sind die Kapitel (Regierung und Wahlen) und Kongresse (pädagogisch-pastorale Ausrichtung), die alternierend alle 6 Jahre stattfinden. Zur Zeit läuft der Kongress, er findet sukzessive auf drei Ebenen statt: Von April bis August 2008 sind die Filialkongresse, von September 08 bis August 09 die Gebietskongresse (Provinzen, Regionen) und vom 18.8. B 15.9.2009 der Familien- oder Generalkongress in Schönstatt. Kongresse sind ein demo-kratisches Instrument, das hilft von der Basis her die Anliegen der Gemeinschaft und die Herausforderungen der Zeit wahrzunehmen und entsprechend zu antworten. Ein Ziel dieses Kongresses ist auch die Vorbereitung auf die 100-Jahr Jubiläen, auf die wir in Schönstatt zugehen: 2010 Priesterweihe von P. Kentenich (mystagogisch-spirituelle Dimension), 2012 Vorgründungsurkunde (pädagogisch-pastorale Dimension) und schliesslich 2014 die Gründung Schönstatts und die Gründungurkunde (die apostolisch-missionarische Dimen-sion). Dass es uns gelingt, das Gültige unseres Ursprungs so ins Heute und Morgen zu künden und zu leben, dass heutige Menschen es verstehen können als Angebot auf die Herausforderungen unserer Zeit. In diesem Zusammenhang gibt es unter www.schoenstatt.de eine anregende Seite unter dem Thema *Zukunfts-Werkstatt+ Schönstatts. Dieses Jahr sind auch Mutationen zu berichten. Die Amtszeiten der Filialobern wechseln am 2.7.08. In diesem Zusammenhang gibt es folgende (Neu-) Ernennungen: P. Josef Hälg kann nach zwei Amtszeiten von je drei Jahren sein Amt als Rektor vom Berg Sion in Horw abgeben. Er geht nach St. Gallen. Da er aber weiterhin Provinzökonom bleibt und gerne etwas mehr in der Pastoral wirken möchte, bekommt er vorerst kein weiteres neues Amt. P. Alois Ziegler ist dankenswerterweise bereit über die Altersgrenze von 75 hinaus noch ein Jahr kommissarisch als Oberer in St. Gallen zu wirken. P. René Klaus kommt nach 18 Jahren von St. Gallen als Rektor des Provinzhauses nach Horw. Er wird unterstützt durch seinen Stellvertreter P. Josef Barmettler und durch P. Josef Fleischlin, die zusammen den Hausrat bilden. P. Klaus behält das Amt des Bewegungsleiters und wirkt weiterhin bei den Familien in der Schönstattbewegung. Der Amtswechsel ist am 15. September 2008. In den andern beiden Filialen haben wir die bestehenden Rektoren gebeten, ihr Amt wieder für drei Jahre auszuüben: P. Toni Eicher in Bern und P. Paul Zingg in Burundi. P. Felix Strässle beendet seine Arbeit als Studentenseelsorger an der Universität Fribourg. Er ist als Leiter des Einführungsjahres für Priesteramtskandidaten der deutschsprachigen Bistümer in Chur gewählt. Er beginnt seine Arbeit anfangs September 08. Wir gratulieren P. Strässle zu dieser ehrenvollen Ernennung und wünschen ihm Kraft und Freude für die neue Aufgabe. P. Strässle wechselt von Horw in die Filiale St. Gallen und wird in seiner Freizeit bei P. Raffael Rieger in Wil wohnen. P. Alfons Brunner wirkt in der Pfarrei Auw, am Geburtsort der seligen Maria Bernarda Büttler, die im Oktober dieses Jahres heilig gesprochen wird. Er wird auch nach der grossen Feier in dieser Pfarrei bleiben können. P. Beat Zuber hat seine Arbeit in der Pfarrei Steinebrunn beendet und macht im Provinzhaus und im Generalat in seiner sehr bewährten Art dringende Arbeiten in Archiv und Bibliothek. Verschiedene Mitbrüder feiern runde Jubiläen und Gedenktage: - Geburtstage: P. Arthur Gassner (85), P. August Brändle (65), P. Josef Hälg (60), P. Christoph Horn (50) - Priesterweihetage: P. Arthur Gassner (60) P. Josef Banz (50), P. Josef Barmettler (40) Unsere Mitbrüder in Polen feierten am 14. bzw. am 17.5.08 das 20-jährige Jubiläum der Einweihung ihres Heiligtums in Jozefow bei Warschau. Die polnischen Mitbrüder in der Schweiz haben diesen Frühling erfolgreiche Polenfahrten für Angehörige ihrer Pfarreien durchgeführt (P.Marian Wyrzykowski in Melchtal, P. Wieslaw Reglinski in Huttwil und P. Andrzej Lasmpkowski in Hünenberg/Cham diesen Herbst). In Kroatien wird am 14.6.08 der Grundstein des neuen Heiligtums gelegt. Die Einweihung ist vorgesehen für den 22.8.09. Wir Patres der Schweizer Provinz haben den Altartisch gestiftet. Nach dem unerwarteten Heimgang von Monsignore Ivan Seso ist P.Christoph Horn vermehrt gefordert. Der Wallfahrtstag auf Berg Sion fand dieses Jahr neu erst am Abend und ohne Zelt statt. Die Eucharistiefeier war um 16 Uhr. Thema war der Name *Berg Sion+, eine Stadt, die auf dem Berg steht, kann nicht verborgen bleiben und weist uns den Weg. P.Hälg hat es in seiner Predigt dahingehend ausgelegt, dass der Berg Sion 1. als Ort eines neuen Selbst- und Gottesbewusstseins, 2. als Ort des Zusammenwirkens untereinander und zwischen Himmel und Erde und 3. als Ort der Befähigung sich einzumischen in Kirche und Welt. Rege Teilnahme aus der Bewegung, bunt durchmischt, alle Altersstufen, frohes Zusammensein beim Grillieren. Am Kapellenfest St. Gallen war wieder eine sehr gute Stimmung, auch wenn es etwas weniger Besucher waren. P. René Klaus hielt die Predigt zum Thema Sternenkranz (Apk 12) und Europa. Unser Provinzökonom hat in Frau Margrit Blender eine kompetente Hilfe für Gelegenheitsarbeiten in der Buchhaltung gefunden. Wir sind froh und dankbar für diese Entlastung. An der GV des Verein Auxilium wurden der Vorstand (die Herren Otto Haunreiter, Walter Hohler und Rolf Schmid, der Provinzial und der Provinzökonom) und die Revisoren (die Herren Werner Hug und Franz Thali) wieder für 4 Jahre gewählt. Neu als Mitglied aufgenommen wurde Frau Valéry Aerni. Allen herzlichen Dank für ihre Bereitschaft! Impuls: Vorsehungsglaube
Als ich nach Troas kam, um das Evangelium Christi zu verkünden, und mir der Herr eine Tür öffnete, hatte mein Geist dennoch keine Ruhe, weil ich meinen Bruder Titus nicht fand. So nahm ich Abschied und reiste nach Mazedonien. (2 Kor 2,12-13) Der Herr öffnete mir die Tür Was versteht man unter dem Gesetz der geöffneten Tür? Das ist ein populärer Ausdruck für das, was wir Vorsehungsglauben nennen. Der Ausdruck stammt nicht einmal von mir, der kommt vom heiligen Paulus. Paulus ist genauso erzogen worden, wie der liebe Gott mich und uns alle erziehen möchte. Paulus hat immer gefragt: *Lieber Gott, was willst Du denn eigentlich?+ Er hat nicht gewartet, bis ein Engel kam oder bis er in den siebten Himmel erhoben war. Er hat (den Willen Gottes) aus den Verhältnissen geschlossen. Sehen Sie, so kam es z.B. vor, dass er an diesem oder jenem Ort war und sich dann fragte: Wo soll ich jetzt hingehen? Er hatte noch viel Arbeit. Darum hat er sich gesagt: Halt, da drüben in Mazedonien, da ist jetzt ein Türchen geöffnet. Der liebe Gott will, ich soll nach Mazedonien. Und dann hat er sich gesagt: Wenn der liebe Gott will, ich soll nach Mazedonien, dann gehe ich dahin (gesprochen: dadurch). Er hat ja die Tür geöffnet (vgl. Apg 16,6-10 und 2 Kor 2,12). Was heißt das: Gesetz der geöffneten Tür? Der liebe Gott öffnet ein Türchen und lädt mich ein, durch diese Tür hindurchzugehen. Und dann gehe ich hindurch. Nun war das bei Paulus das Eigenartige - das ist bei mir nicht in dem Maße der Fall gewesen, so in etwa schon -; bei Paulus war das so: Wenn er durch das Türchen hindurchgegangen, dann war das nicht durchweg ein sperrangelweit geöffnetes Türchen. Ist eine Tür offen, dann ist das leichter. Oft hat der liebe Gott aber nur einen Spalt geöffnet. Dann ist Paulus durchgehuscht. Und wenn er in dem Raum war, hat es nicht lange gedauert, dann hat er alles durcheinander gebracht, und dann ist er verprügelt worden. Der Herrgott hat dann schnell irgendwo anders ein Türchen aufgemacht. Dann ist Paulus durch diese Tür gegangen, bis sich dasselbe wiederholt hat. Das war die Lebensaufgabe des heiligen Paulus: Durch einen Spalt hindurch - für kurze Zeit im Zimmer - ein neuer geöffneter Spalt - wieder hindurch - verprügelt, misshandelt - dann wieder durch (einen Spalt), bis er glücklich oben im Himmel war. Dort angekommen, fällt er nun nicht mehr heraus. Da ist er für immer glücklich. Da braucht er kein geöffnetes Türchen. Da ist immer alles, alles voller Licht und voller Seligkeit. Das ist das Gesetz der geöffneten Türe, das ist praktischer Vorsehungsglaube... Jetzt die Frage: Wie hat sich dieses Gesetz der geöffneten Tür in Schönstatt ausgewirkt? Die Antwort ist sehr einfach. Der liebe Gott hatte mir damals die Aufgabe gegeben, die Jugend zu erziehen. Und ich hatte ein ganz bestimmtes Ideal, in das ich sie hineinerziehen wollte, ähnlich wie der liebe Gott Ihnen Ihre Kinder gegeben hat. Sie sollten die Kinder nicht nur erzeugen, Sie sollten sie auch erziehen. Und dann haben Sie angefangen zu erziehen, haben auch ein bestimmtes Ideal, in das Sie sie hineinerziehen wollen. So ging es mir damals auch. Das war 1912/13. Plötzlich, 1914, bricht der Krieg aus. Da mussten die Jungen hinaus auf die Kriegsschauplätze, und ich habe die Verantwortung für sie. Gesetz der geöffneten Tür! Während dieser Zeit, in der die Jungen hinaus mussten, da habe ich - so ganz menschlich gesprochen - zufällig eine ganz dünne Zeitschrift in die Hand bekommen. Da war ein Artikelchen darinnen, vielleicht eine Spalte lang, ganz kurz. Was da erzählt wurde? Von einem Advokaten. Das war kein amerikanischer, das war ein italienischer Advokat. Also, das war ein italienischer Advokat, der vorher Freimaurer war. Der Herrgott, die Gottesmutter haben ihn benutzt, einen Wallfahrtsort zu gründen. Vielleicht haben Sie den Ort(snamen) schon gehört: Pompeji. Das ist nachher ein großer, weltberühmter Wallfahrtsort geworden. Da kommt mir auf einmal die verrückte Idee. ... Wenn sich die Gottesmutter dort niedergelassen und Großes gewirkt hat, wäre das nicht möglich, sie herunterzuziehen hier ins kleine Heiligtum? - Ich habe ja auch die Aufgabe, meine Jugend zu erziehen, (und) die Gottesmutter ist nach dem Plane Gottes die große Erzieherin. Jetzt müssen Sie sich erinnern: Das (Kapellchen in Schönstatt) war eine Rumpelkammer. Das bedeutete also, die Gottesmutter in die Rumpelkammer herunterzuziehen. Warum? Zu welchem Zweck? Sie soll die Jungen erziehen, (denn) ich kann ihnen da draußen im Krieg nicht nachlaufen. Und wenn ich Gott weiß wie fähig und mächtig (notiert: kräftig) wäre, ich kann nicht hier sein und da sein, im Osten sein (und) wieder im Norden sein. Nein! Dazu kommt die Hilflosigkeit, deren Hilflosigkeit und meine Hilflosigkeit. Was sollen wir machen? Da kam mir also die Idee: Gesetz der geöffneten Türe. Was heißt das? Der liebe Gott hat die Tür geöffnet. Das war natürlich nur ein kleiner Spalt, dieses kleine Artikelchen. Was war das (für eine Idee)? Da, schau einmal, da hat die Gottesmutter sich niedergelassen. Ob sie das nicht auch hier möchte? Und weil ich immer ein sehr vernünftiger Mann bin - hm -, da habe ich bloß den Schluss gezogen: Das könnte wohl so sein. Obwohl ich die innere Gewissheit hatte, es ist so, habe ich das nie gesagt, sondern bloß gedacht: Es wäre doch schon möglich. Und dann bin ich am 18. Oktober hingegangen und habe unseren Jungen den Plan vorgelegt. Das müssen Sie jetzt einmal lesen: die Gründungsurkunde; dann verstehen Sie die Idee. Wunderschön, wenn Sie das auch auf diesem Hintergrund (gesprochen: aus dem Zusammenhange) hören. Und die Jugend war so dumm (und) ist darauf hereingefallen. Die Jungen haben gesagt: Ja, da helfen wir dem Spiritual mit. Was tun wir? Das hängt so tief zusammen. Ich hatte ja eine Erziehungsaufgabe und wollte erziehen. Deswegen ist die Gottesmutter für mich von Anfang an die Erzieherin gewesen. Und deswegen habe ich die Gottesmutter sprechend eingeführt (notiert: angeführt). Sie sagt: *Gut, ich billige den Plan, aber nur unter einer Bedingung.+ Unter welcher Bedingung? *Dass Ihr Euch kraftvoll weiter erzieht, und zwar so, dass die Fetzen fliegen. Da darf nichts mehr übrig bleiben. Ihr sollt Meisterwerke werden. Bis zum Höchsten müsst Ihr Eure Forderungen schrauben. Tut Ihr das, dann komme ich herunter. Dann lasse ich mich herunterziehen. Und dann, ja, dann will ich eine große Erneuerungsbewegung von diesem Plätzchen aus in die Wege leiten.+ Verstehen Sie? Das war 1914. Gesetz der geöffneten Tür. Verstehen Sie jetzt, inwiefern dieser Plan entstanden ist nach dem Gesetz der geöffneten Tür? Aus: J. Kentenich, Vortrag für Familien, Milwaukee/USA, 13-9-1953 Peter Wolf (Hrsg), In der Schule des Apostels Paulus, Ausgewählte Texte von P.J. Kentenich, Patris-Verlag 2008 ISBN 978-3-87620-321-8
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